Von Anfang an dabei: 10 Jahre Mitarbeiterin im Ambulanticum

Silke Biesemann und Anna Heun gehören seit 2012 zum Team

Ein Team aus 34 Mitarbeitenden, mehr als 200 Patient:innen pro Jahr, moderne Therapiegeräte,  internationale Kooperationen und zahlreiche Erfolgsgeschichten: Seit der Gründung des Ambulanticum im März 2012 ist viel passiert: Vom Exoten im etablierten Gesundheitssystem hat sich die ambulante Einrichtung zu einem Therapiezentrum entwickelt, das in der patientenorientierten Nachsorge neue Maßstäbe setzt. Eine Entwicklung, die Silke Biesemann und Anna Heun miterlebt und auch mitgeprägt haben. Die beiden Ambulanticum-Mitarbeiterinnen sind von Anfang an dabei und seit zehn Jahren Therapeutinnen in Herdecke.

„Das Ambulanticum hat damals etwas ganz Neues in der neurologischen Therapie angeboten. Das fand´ ich spannend“, blickt Silke Biesemann zurück. Seit dem 1. Februar 2012 gehört die Ergotherapeutin zum Ambulanticum-Team. Sie hat die Anfangszeit hautnah mitgemacht. Hat erlebt, wie Therapieabläufe gemeinsam entwickelt und das Team ganz bewusst interdisziplinär aufgebaut wurde. „Jeder kam aus einer anderen Richtung. Physiotherapeuten, Sportwissenschaftler, Ergotherapeuten arbeiteten zusammen – das war für mich neu. Und sehr interessant“, so die 53-Jährige.

Kein Schema F

Eine weitere Fachdisziplin kam kurze Zeit später mit Sprachtherapeutin Anna Heun dazu. Im Mai 2012 hat sie das Team ergänzt, das zu der Zeit noch weniger als zehn Mitarbeitende zählte. „Mich hat von Anfang an überzeugt, dass im Ambulanticum die Patient:innen im Mittelpunkt stehen. Es zählt, was ihnen guttut. Und dafür schauen wir immer wieder über den Tellerrand“, erklärt Anna Heun, warum sie bis heute gerne im Ambulanticum arbeitet.  Nicht nach Schema F vorzugehen, ist ihr und dem gesamten Team wichtig. „Ich konnte von Anfang an eigene Ideen einbringen, mich selbst ausprobieren, Neues einbringen. Dafür gab es Verständnis und vor allem Unterstützung“, so die gebürtige Herdeckerin, die ihren Job auch nach zehn Jahren sehr mag. „Ich gehe einfach gerne zur Arbeit ins Ambulanticum. Ich kann sehr individuell arbeiten und das Team ist einfach toll.“

Kleine Schritte – große Wirkung

Gemeinsam mit Silke Biesemann und dem gesamten Team hat sie seit der Gründung viele Menschen auf ihrem Weg zurück in ein möglichst selbstbestimmtes Leben begleitet und unterstützt. Einzelne Erfolgsgeschichten möchten beide da gar nicht hervorheben. „Es gibt so viele Beispiele. Und manchmal sind es die kleinen Schritte, die für die einzelnen eine große Wirkung haben“, sind sie sich einig. Schließlich kommen viele Patientinnen und Patienten mit schweren Krankheitsbildern. Sie sitzen nach Unfällen im Rollstuhl, können nach Schlaganfällen nicht mehr sprechen und laufen oder haben mit den Folgen eines Schädelhirntraumas zu kämpfen. Der Weg zurück ins Leben ist da sehr mühsam – und auch mal von Rückschlägen geprägt. „Da ist es dann wichtig, Mut zuzusprechen, Geduld zu haben und nicht aufzugeben“, so Anna Heun.

Patient:innen aus aller Welt

Auch nach zehn Jahren entwickelt sich das Therapiekonzept im Ambulanticum immer weiter. „Das ist ein kontinuierlicher Prozess. Der Stand, auf dem wir jetzt sind, ist ja über all die Jahre gewachsen“, so Silke Biesemann. Therapiegeräte haben sich weiterentwickelt, neue Kooperationen sind entstanden, neue Kollegen und Kolleginnen hinzugekommen – und Patienten aus aller Welt. Menschen aus ganz Deutschland, aber auch aus den Niederlanden, aus Russland oder Jordanien kommen nach Herdecke, um sich im Ambulanticum behandeln zu lassen. Selbst wenn die Corona-Pandemie die Arbeit in den vergangenen zwei Jahren erschwert hat: Es ging immer weiter. Und das soll es auch die nächsten zehn Jahre und darüber hinaus: „Was mit dem Ambulanticum entstanden ist, ist wirklich einmalig“, finden auch die beiden Mitarbeiterinnen, die zusammen mit dem Therapiezentrum ihr Zehnjähriges feiern.

 

Ambulanticum-Gründer veröffentlicht Mutmach-Biographie

Dr. Bernhard Krahl erzählt in „Schlagseite“ von seinem Weg in sein zweites Leben

Herdecke, 9. Mai 2022. Ambulanticum-Gründer und -Geschäftsführer Dr. Bernhard Krahl hat sein erstes Buch veröffentlicht. In seiner Autobiographie „Schlagseite“ erzählt der 75-Jährige aus seinem Leben – von seiner Kindheit und Jugend in Hagen über seine Schlaganfälle und den Weg zurück in einen selbstbestimmten Alltag bis hin zum 10. Geburtstag des Therapiezentrums Ambulanticum. Die Autobiographie kann ab sofort online bestellt werden. Auf der Website www.ambulanticum.de gibt es nicht nur weitere Informationen und Leseproben zum Buch, sondern auch ein Bestellformular.

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„Ich möchte zeigen, wie wichtig es ist, an sich zu glauben.“

Im Gespräch mit Dr. Krahl über seine Autobiographie „Schlagseite“

Die Entwicklung des Herdecker Therapiezentrums „Ambulanticum“ ist eng mit der Lebensgeschichte des Gründers verknüpft: In dem Buch „Schlagseite“ hat Dr. Bernhard Krahl seine Geschichte niedergeschrieben. Im Interview zu seiner Autobiographie erzählt der Zahnarzt und Ambulanticum-Geschäftsführer, wie er zum Autor wurde, welche Lebensstationen in seinem Buch nicht fehlen durften und was das Ambulanticum ihm bedeutet.

Wie ist die Idee entstanden, das eigene Leben als Buch niederzuschreiben?

Ideengeber waren Patienten, Bekannte und Freunde. Mit ihnen habe ich immer wieder gesprochen: über meinen Schlaganfall, meinen Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben, über das Ambulanticum. Ich habe ihnen von meinem Leben erzählt – aber immer ein wenig anders. Es waren andere Einblicke und Ausschnitte. Und irgendwann habe ich mir gedacht: Ich erzähle jetzt einfach mal alles. So reifte die Idee, meine Geschichte quasi in eine Endform zu gießen und zu verschriftlichen.

Wie lange haben Sie an dem Buch gearbeitet?

Von der ersten Idee bis zu dem Moment, in dem ich den roten Knopf zum Andruck drücken konnte, vergingen gut zwei Jahre.

Nach welchen Kriterien haben Sie die Erinnerungen und Lebensstationen ausgewählt, die den Weg in ihr Buch gefunden haben?

Ich bin in erster Linie chronologisch vorgegangen. Und natürlich waren die einschneidenden Begebenheiten meines Lebens „gesetzt“ – ob privat, gesundheitlich oder beruflich. Aber mir war es auch wichtig, kleine, zum Teil auch heitere Episoden hinzuzufügen, die – wie ich finde – meinen Charakter und meine Einstellung zum Leben authentisch transportieren.

Was war Ihnen bei der Erzählung Ihrer Lebensgeschichte besonders wichtig?

Es war mir wichtig, den Aufbau und die Entwicklung unserer einmaligen Therapieeinrichtung in meinem Buch aufzuzeigen. Das Ambulanticum ist aus meinem Leben nicht wegzudenken. Es hat mir selbst immer auch Kraft und Selbstvertrauen gegeben. Darum ist es ein elementarer Bestandteil meiner Autobiographie geworden.

Was möchten Sie bei den Leserinnen und Lesern Ihres Buches erreichen?

Ich möchte meine Leserinnen und Leser ermuntern, nie aufzugeben. Viele befinden sich vielleicht in ähnlichen Lebenssituationen. Oder stehen jemandem nahe, der mit einem Schicksalsschlag zu kämpfen hat und neu anfangen muss. Ich möchte diesen Menschen ein Beispiel geben und zeigen, wie wichtig es ist, an sich und seine eigene Zukunft zu glauben.

Hat sich der Blick auf Ihr Leben durch die Arbeit an der Autobiographie noch einmal verändert?

Der Schreibprozess war sicherlich auch ein Verarbeitungsprozess. Durch das Schreiben ist es mir gelungen, mit Lebensphasen abzuschließen, die ich noch nicht ganz „verdaut“ hatte. Dadurch ist der Rucksack meiner Lebensereignisse, den ich mit mir herumtrage, etwas leichter geworden. Dafür bin ich dankbar.

Durch die Arbeit an diesem Buch sind sie auf gewisse Weise noch einmal auf „Lebensreise“ gegangen. Wenn Sie heute auf Ihr Leben zurückblicken und es mit drei Worten beschreiben sollten: Welche wären das?

Zuversicht, Mut, Verlässlichkeit

Gibt es Textpassagen, die Ihnen besonders am Herzen liegen?

Ich lese das emotionale Kapitel „Abschied von Micki“ – meiner verstorbenen Frau – immer wieder gerne. Für mich ist es eine anrührende Erinnerung an das Ende einer Zweisamkeit in Würde.

Bleibt es bei diesem Buch oder bleiben Sie dem Schreiben treu?

Ich habe vor, weiterhin zu schreiben. Und dabei möchte ich auf zu neuen Ufern. Aktuell ist ein – thematisch ähnliches – Buch in Vorbereitung. In ihm möchte ich von den zauberhaften Erfolgen einiger unserer Patientinnen und Patienten erzählen. Eng verknüpft mit der Vorstellung und Erklärung zeitgemäßer robotikassistierter und gerätegestützter Therapiemaßnahmen. Es soll eine schriftliche Hilfestellung zum Verstehen komplexer Herausforderungen werden. Der Arbeitstitel steht schon:   Bewegende Erfolgsgeschichten,  Untertitel: Siehste – geht doch!

Weitere Informationen, Leseproben und das Bestellformular zum Buch gibt es unter diesem LINK.

„Ich wusste, ich werde wieder laufen.“

Rashide Serifi steht nach jahrelanger Therapie wieder auf eigenen Beinen

2012 sollte ein glückliches Jahr für Rashide Serifi werden: Die damals 21-Jährige war schwanger, freute sich gemeinsam mit ihrem Mann auf ihr erstes Kind. Doch die Geburt wurde für sie und ihre Familie zum lebensverändernden Wendepunkt: Eine Periduralanästhesie (PDA) mit einer verunreinigten Spritze löste eine katastrophale Kettenreaktion aus. Nach der Geburt ihres Sohnes bekam Rashide Serifi eine Hirnhautentzündung, Bakterien durchsetzten ihre Wirbelsäule mit Eiterherden. Durch mehrere Operation im Bereich der Wirbelsäule wurde das Rückenmark schwer geschädigt. Die junge Mutter war von einem Augenblick auf den anderen inkomplett querschnittgelähmt. Ihre Prognose: ein Leben im Rollstuhl.

Langer Leidensweg

Die Diagnose war ein Schock und der Beginn eines langen Leidensweges: Nach der Geburt lag Rashide Serifi zunächst vier Wochen auf der neurologischen Station. Ihr Zustand verschlechterte sich zunehmend. Kein Antibiotikum schlug an. Eine Not-OP wurde nötig. Sie wurde in die Uni-Klinik verlegt, ihr Leben hing an einem seidenen Faden. Doch Rashide überstand die Operation. So wie sechs weitere, die folgten. Sie war lange Zeit in Kliniken. Ihren kleinen Sohn sah sie so gut wie gar nicht. „Das war besonders schlimm“, erklärt die heute 30-Jährige, die sich nach den langen Klinikaufenthalten in einer Reha „an den Rollstuhl gewöhnen sollte“.  Ein Ziel, das für Rashide Serifi gar kein Ziel war. Sie wollte mehr. Sie wollte wieder laufen können. Für sich. Für ihren Sohn. Für ihre Familie. „Ein Leben im Rollstuhl war für mich keine Option“, sagt sie heute. „Ich wusste, wie schwer, lang und mühsam der Weg werden würde. Aber einen anderen gab es für mich nicht.“

Kleine Fortschritte für große Erfolge

Sie setzt alles daran, den Rollstuhl hinter sich zu lassen, wieder auf eigenen Beinen zu stehen und zu gehen. Mit unbändigem Willen und der Unterstützung ihrer Familie kämpft sie sich durch vier Jahre Rollstuhl und drei Jahre Therapie, die sie im Ambulanticum absolviert. Das Therapiezentrum in Herdecke war ein Glücksfall: „Nach negativen Erfahrungen in der Reha ging man endlich auf mich und meine Bedürfnisse ein“, sagt Rashide Serifi. „Das Ambulanticum bot genau das, was ich mir an Therapie vorgestellt habe.“ Im Mai 2013 kam sie zum ersten Mal ins Ambulanticum. Im Rollstuhl und mit schwacher Rumpfstabilität, aber mit einem großen Traum und hoher Einsatzbereitschaft. „Ich habe 100 Prozent gegeben – und bin manchmal nur 0,01 Prozent weitergekommen“, erzählt die Leverkuserin „Das war hart. Aber ich habe gelernt, dass auch kleine Fortschritte Erfolge sind und letztendlich zu großen Fortschritten werden.“

Zurück im Leben

Mit einem individuell auf sie abgestimmten Therapiekonzept trainierte Rashide Serifi ihre Muskulatur und ihr Gleichgewicht. Sie arbeitete im Spacecurl an ihrer Rumpfstabilität, übte mit verschiedenen Hilfsmitteln das Stehen. Am Lokomaten – einem Gangtrainer – ging sie unzählige Schritte. Immer und immer wieder.  Es folgten Trainingseinheiten auf dem Laufband, später die ersten freien Steh- und Gehversuche. Die Therapie brachte sie an ihre körperliche Leistungsgrenze. Es gab Tage, da fehlte die Kraft. „Natürlich waren da Momente, in denen ich nicht mehr wollte. Und nicht mehr konnte“, blickt Rashide Serifi zurück. „Aber das Team war immer für mich da und hat mich motiviert – auch wenn ich es ihnen sicher nicht immer leicht gemacht habe.“ Sie lächelt. Und sie strahlt, wenn sie von dem Leben erzählt, das sie heute führen kann: Zehn Jahre nach der Querschnittlähmung hat sie ihr Ziel erreicht – und noch viel mehr. Sie kann laufen, Autofahren, Sport machen. Und Rashide Serifi ist zum zweiten Mal Mutter geworden. Iljas ist heute drei Jahre alt und macht das Glück von Rashide Serifi, Ehemann Kenan und Bruder Mikail komplett. „Es war ein langer Weg“, sagt sie. „Aber für mich war immer klar: Ich werde wieder laufen.“

Neuer Ambulanticum-Film zum 10-jährigen Bestehen

Interdisziplinäres Therapiezentrum hilft Menschen zurück in ein selbstbestimmtes Leben

Herdecke, 10. März 2022Gesichter, die in die Kamera lächeln. Patienten beim Training. Wegbegleiter im Interview. Szenen aus Therapieräumen. Erinnerungen an Herausforderungen und Erfolge: Zum 10-jährigen. Bestehen des Ambulanticum Herdecke erzählt ein neuer Film die besondere Geschichte des ambulanten Therapiezentrums, das mit seinem interdisziplinären Konzept für viele Menschen mit Schlaganfällen, Querschnittlähmungen, Schädelhirntrauma, ICP oder Multipler Sklerose zu einem Ort der Hoffnung geworden ist.

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„Das Ambulanticum hat neue therapeutische Maßstäbe gesetzt.“

Interview zum 10-jährigen Bestehen der Herdecker Therapieeinrichtung

Herdecke, 10. März 202210 Jahre Ambulanticum Herdecke: Das ambulante interdisziplinäre Therapiezentrum begleitet seit 2012 Kinder und Erwachsene mit erworbenen Erkrankungen des zentralen Nervensystems (ZNS) auf ihrem Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben. Rund 2.850 Patient:innen sind seit den Anfängen im Ambulanticum behandelt worden, das mit einem interdisziplinären, individuell ausgerichteten Therapiekonzept eine neue Richtung in der gesundheitlichen Nachsorge einschlägt. Allein 200 Intensivpatient:innen werden Jahr für Jahr von dem 38-köpfigen Team aus Sportwissenschaftler:innen, Physiotherapeut:innen, Ergotherapeutinnen, Sprachtherapeuten, Logopädinnen, Verwaltung und einer Sozialarbeiterin behandelt und betreut.

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„Wir haben bewiesen, dass unser patientenorientierter Therapieansatz funktioniert.“

10 Jahre Ambulanticum: Im Gespräch mit Marion Schrimpf und Dr. Bernhard Krahl

2007 erlitt Dr. Bernhard Krahl zwei schwere Schlaganfälle, die er nur knapp überlebte. Der Zahnarzt und Inhaber eines Dental-Spezialartikel Unternehmens kämpfte sich entgegen allen Prognosen zurück ins Leben. 2012 gründete der heute 74-Jährige gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Marion Schrimpf das Ambulanticum, ein interdisziplinäres Therapiezentrum für Kinder und Erwachsene mit Erkrankungen des zentralen Nervensystems. Menschen, die nach Schlaganfällen, Querschnittlähmungen, Schädelhirntraumata, ICP und Diagnosen wie Multipler Sklerose oder Parkinson wieder auf die Beine kommen möchten. Seit zehn Jahren finden sie im Ambulanticum Unterstützung und Hoffnung. Wie die Gründer und Geschäftsührer der Herdecker Therapieeinrichtung diese Zeit erlebt haben, welche Herausforderungen sie meistern mussten und was sie sich für die Zukunft wünschen, erzählen Marion Schrimpf und Dr. Bernhard Krahl im Interview.

10 Jahre Ambulanticum: Wenn Sie darüber nachdenken, was kommt Ihnen als erstes in den Sinn?

Dr. Bernd Krahl:

Zuallererst sind es unglaublich viele Erfolgsgeschichten, an die ich denke.  Damit meine ich die Erfolge des Ambulanticum selbst. Es entspricht mit seinem Therapiekonzept nicht dem etablierten System, hat sich gegen viele Widrigkeiten durchgesetzt und neue therapeutische Maßstäbe definiert. Und natürlich denke ich auch an die Erfolge unserer Patient:innen.

Marion Schrimpf:

Wir sind stolz auf diese zehn Jahre. Stolz, dass wir bewiesen haben, dass der von uns gelebte patientenorientierte Ansatz funktioniert und dass Menschen, die als austherapiert abgestempelt werden, mit den richtigen Mitteln und Methoden großartige Fortschritte erreichen können. Sie erlangen Autonomie, Selbstbewusstsein und Handlungsfähigkeit wieder. Das motiviert uns, weiterzumachen. 10 Jahre Ambulanticum sind ein guter Anfang. Aber es gibt noch viel zu tun, damit eine effiziente und effektive Therapie wie wir sie im Ambulanticum vorleben, zur Regelversorgung wird.

Wie haben Sie die Anfänge des Ambulanticum erlebt?

Dr. Bernhard Krahl:

Es gab sehr viele Schwierigkeiten. Wir mussten uns von unseren Gründungspartnern trennen. Es gab quasi eine „Vollbremsung“ bei der Finanzierung, später dann waren alle finanziellen Ressourcen aufgebraucht und wir standen kurz vor der Insolvenz. Mit unserem privaten Vermögen sind wir dann volles Risiko gegangen. Wir haben weiter an das Projekt geglaubt – immer mit dem Ziel, unseren Patienten Hoffnung und eine neue Lebensperspektive zu geben.

Was waren auf dem Weg von den Anfängen bis zum 10. Geburtstag besondere Herausforderungen?

Marion Schrimpf:

Die bisher größte Herausforderung war die Anerkennung des Therapiekonzeptes in der Nachsorge durch die Kostenträger. Und diesen Kampf fechten wir bis heute aus. Wir kämpfen unentwegt dafür, das Konzept der Intensivtherapie im AMBULANTICUM® in die Regelversorgung zu bringen und diese Form der Therapie als eine eigene Säule neben der bestehenden medizinischen und pflegerischen Versorgung im Gesundheitssystem zu etablieren. Um das zu erreichen, haben wir ein interdisziplinäres Therapiekonzept erarbeitet, ein breites internationales Netzwerk aufgebaut und ein Team aus Therapeut:innen zusammengestellt, das unsere Vision mit uns trägt und vorantreibt.

Trotz aller Anfangsschwierigkeiten und Herausforderungen: Würden Sie diesen Schritt der Gründung noch einmal gehen?

Marion Schrimpf:

Ja, die Gründung des AMBULANTICUM® war ein notwendiger Schritt. Therapieeinrichtungen wie unsere werden dringend gebraucht.

Aber die letzten zehn Jahre haben auch gezeigt: So ein Projekt ist keines, das man nur aus Vernunftgründen angeht. Für so ein Projekt muss man brennen. Ansonsten überlebt man in unserem streng reglementierten Gesundheitssystem nicht – insbesondere, wenn man keine Wegbegleiter hat und alles – wie wir – selbst finanziert.

Wofür steht das Ambulanticum Ihrer Ansicht nach heute?

Marion Schrimpf:

Das Ambulanticum steht für ein einmaliges Konzept für Kinder und Erwachsene mit einer erworbenen Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS). Unsere Therapie stellt unsere Patient:innen in den Mittelpunkt. Wir vereinen alle therapeutischen Maßnahmen verschiedener Disziplinen individuell zum Wohle der Patient:innen und bringen sie in Einklang, um ein bestmögliches Ergebnis zu erzielen.

Dr. Bernhard Krahl:

Im AMBULANTICUM ermöglicht man den angeblich „austherapierten“ Patient:innen eine erfolgreiche individualisierte Intensivtherapie. Sogar nach vielen Jahren der Erkrankung machen sie noch Fortschritte und kommen ihrem Ziel wieder ein Stück näher. Darum steht das Ambulaticum für Hoffnung, die es den Menschen gibt, die als austherapiert gelten. Wir haben gezeigt, dass es sich lohnt, nach zeitgemäßen anderen Wegen zu suchen und nicht aufzugeben – und dass die Diagnose „austherapiert“ noch lange nicht das Ende ist.

Wie sehen Sie die Zukunft: Was möchten Sie mit dem und für das Ambulanticum und seine Patienten noch erreichen?

Dr. Bernhard Krahl:

Wir werden das Ambulanticum in eine Stiftung umwandeln. So ist die Unabhängigkeit und Entscheidungsfreiheit langfristig gewährleistet – auch nach unserem Ausscheiden. Wir möchten, dass dieses zielführende Trainingstherapiekonzept des Ambulanticum von allen Kostenträgern akzeptiert wird und alle Kinder und Erwachsene mit einer Erkrankung des ZNS in naher Zukunft davon profitieren können.

Marion Schrimpf:

Dafür muss allerdings ein Umdenken in Gesellschaft und Politik erreicht werden. Die bürokratischen Hürden für eine solche Therapie müssen abgebaut werden. Und vor allem dürfen solche Therapiemöglichkeiten nicht am Geld scheitern. Bei einem sowieso schon unfairen Kampf, in dem es darum geht, sich Dinge „zurückzuerobern“, die den meisten Menschen selbstverständlich erscheinen, sollten zumindest alle die gleichen Chancen haben. Und die Hoffnung, wieder ein selbstbestimmtes Leben führen zu können.

Labor für experimentelle Prozess- und ERP-Forschung der FH-Südwestfalen

Die Fachhochschule Südwestfalen und insbesondere das Labor für experimentelle Prozess- und ERP-Forschung erforscht gemeinsam mit raktikern, Studierenden und Promovierenden innovative Technologien und Prozessen wie z. B. Robotic Process Automation (RPA), SAP© S/4HANA oder Process Mining.

Wir erarbeiten experimentell Lösungsvorschläge, die einen konkreten Nutzen in den Anwendungsfeldern unserer jeweiligen Praxispartner versprechen. Mit den Praxispartnern, Studierenden und Promovierenden erforschen und entwickeln wir Strategien zum Einsatz neuer Technologien und Methoden on der Pilotierung bis zum Einsatz. Dabei liegt ein Augenmerk auf das Design der Prozesse und auf Aspekten des Change Managements.

Gerade im Gesundheitswesen sind viele Akteure auf die Hilfe von außen angewiesen – insbesondere bei dem Thema Digitalisierung, Virtualisierung und Automatisierung. Denn nach unserer Erfahrung steigt der Digitalisierungs- und Automatisierungsgrad schneller als das Wissen über die neuen Technologien, bspw. den Einsatz Künstlicher Intelligenz im Prozessmanagement. Dieses Wissen wird aber dringend benötigt, um die zielgerichtete Digitalisierung und Automatisierung von Prozesse zu unterstützen.

An dieser Stelle setzt unser Labor an und möchte unterstützen, um Prozesse in Unternehmen mit technologischen Komponenten erfolgreich zu digitalisieren und automatisieren und Mitarbeiter zu befähigen, das Zusammenspiel der dahinterstehenden Technologien zu verstehen und zu nutzen.

Hierzu nutzen wir verschiedene Werkzeuge wie die RPA-, integrierte Informationssysteme, Plattformökonomie und Process Mining als Technologie. Wir untersuchen, wie Geschäftsprozesse in diesem Kontext modelliert, visualisiert und gesteuert werden können. Unser Ziel ist es, das Zusammenspiel der Prozessschritte sowie der Entscheidungsunterstützung auf Basis von Daten des Gesundheitssektors zu untersuchen, um anschließend Prozesse im realen Kontext zu optimieren.

Durch den klassischen Lean Six Sigma-Ansatz setzen wird einen bewährten Standard im Projekt-, Prozess- und Qualitätsmanagement um. Durch die Arbeit mit unseren Praxispartnern erhalten wir die wertvolle Gelegenheit, mit neuen hochvolumigen Prozessdaten zu arbeiten und die Randbedingungen der Softwarearchitektur an die Anforderungen von Optimierungsmethoden und realen Rahmenbedingungen anzupassen. Uns liegt die Unterstützung der Praxispartner am Herzen, um einen Nutzen für alle beteiligten Nutzergruppen des Labors (Studierende, Lehrende, Forschende) zu generieren.

Weitere Informationen zur Fachhochschule Südwestfalen:
www.fh-swf.de

Kontaktdaten:
Carolin Vollenberg
Fachbereich Technische Betriebswirtschaft
Fachhochschule Südwestfalen
Haldener Str. 182 | D-58095 Hagen
E-Mail: vollenberg.carolin@fh-swf.de

IHR Rehabilitations-Dienst GmbH

Der IHR ist Ihr Ansprechpartner für Reha- und Gesundheitsmanagement, Leistungsprüfung in der Berufsunfähigkeit, Sozialberatung und Betriebliches-Eingliederungsmanagement.

Für Menschen, die nach folgenschwerem Unfall oder Krankheit Unterstützung und Hilfe bei der medizinischen, beruflichen und sozialen Rehabilitation brauchen, sind wir der erfahrene und unabhängige Partner und Lotse. Wir verfügen über langjährige Praxis und Erfahrung in der erfolgreichen Integration und Rehabilitation schwer Betroffener. Unser engagiertes Team aus Fachberater*Innen vor Ort und das zentrale Dienstleistungsmanagement in Köln stehen dabei sowohl den Betroffenen und deren Familien wie auch deren Rechtsanwälten, Versicherungen, Unternehmen und Gesundheitsdienstleistern beratend und koordinierend zur Seite.

Der IHR berät und moderiert die erforderlichen Phasen und fungiert mit seinen Berater*innen als Bindeglied zwischen allen Beteiligten und agiert für Sie als externer Dienstleister in diesem individuellen Beratungsprozess, um Ihrem Unternehmen und Ihren Mitarbeitern optimale Lösungswege aufzuzeigen und sie zu begleiten.

Das folgende Video gibt eine Übersicht über das Leistungsspektrum (externer Link zur IHR Website).

So können wir u.a. dazu beitragen:

  • Ärztliche Zweitmeinungen zeitnah zu erhalten
  • Arzttermine zu beschleunigen
  • Optimale Therapiemöglichkeiten zu finden und zeitgerecht zu beginnen
  • Kostenübernahme über die Sozialversicherungsträger zu gestalten
  • Und vieles mehr …

Weitere Informationen zum IHR Rehabilitations-Dienst
www.ihr-rehadienst.com

Kontaktdaten:
IHR Rehabilitations-Dienst GmbH
Theodor-Heuss-Ring 52
50668 Köln
Mail: Info@ihr-rehdienst.com
Tel.: +49 (0) 221 29231 600

Von wegen für immer

Rainer Erb kämpft sich aus dem Rollstuhl – und hat ein Buch darüber geschrieben

Rainer Erb sitzt an seinem Computer und arbeitet, als seine Knie plötzlich schwach werden. Der 55-jährige Zimmermeister fällt vom Stuhl – und kann sich nicht mehr bewegen. Von jetzt auf gleich ist er querschnittsgelähmt. Die Ursache ist bis heute unbekannt. Die erste Prognose lautet: Rollstuhl für immer. Ein Schicksal, in das sich Rainer Erb nicht fügen möchte. Er kämpft dafür, wieder auf die Beine zu kommen. „Von wegen für immer“ ist sein Motto – und der Titel eines Buches, das seine Geschichte erzählt.

Im Labyrinth aus Therapien und Anträgen

Zwölf Tage Erstversorgung im Krankenhaus Fulda. Sieben Monate in einer Spezialklinik in Bad Wildungen. Dann drei Monate Reha mit Vojta- und Wassertherapie. Nach den ersten sechs Monaten gibt es kleine Fortschritte, Rainer Erb kann ein Bein leicht bewegen. Zurück zu Hause beginnt die Physiotherapie vor Ort – bis zu 20 Stunden in der Woche arbeitet Rainer Erb an seinem Ziel, wieder laufen zu können. 

„Momentan gibt es für mich Therapie, Essen, Schlafen und Trinken“, sagt der Fuldaer. Aber für ihn gibt es auch:  ein Labyrinth aus Therapiemöglichkeiten, Anträgen und Absagen. Auch hier kämpft Rainer Erb sich durch – und schreibt alles auf. Das, was ihm durch den Kopf geht. Das, was er aus den Therapien mitnimmt. Das, was er im Bürokratiedschungel erreicht. Die Aufzeichnungen helfen ihm, seine Situation zu verarbeiten. Sie stützen ihn, treiben ihn an und werden die Grundlage seines Buches, mit dem er vor allem eines erreichen möchte: anderen helfen, die in einer ähnlichen Situation sind. „Ich möchte zeigen, dass man die Dinge auch selbst in die Hand nehmen muss, um was zu erreichen“, betont Rainer Erb.

Ein Training, das fordert und fördert

Die Arbeit an seinem Buch führt ihn auch ins Ambulanticum: Seine Biographin, Dagmar Wagner, macht ihn auf die ambulante Therapieeinrichtung aufmerksam. Schon beim Blick auf die Website merkt er: Die machen genau das, was ich brauche. Ein intensives, individuelles Training, das fördert und fordert. „Dabei gehe ich an meine Leistungsgrenze. Ich lasse nicht locker“, erzählt Rainer Erb, der von dem Therapiekonzept und der Umsetzung überzeugt ist: „Die Therapeut:innen sind richtig gut geschult und die vielen Hilfsmittel und Trainingsgeräte gibt es woanders in dieser Form nicht.“

Frei laufen – bis zur Rente

Gemeinsam mit seinen Therapeut:innen arbeitet Rainer Erb zurzeit daran, frei zu stehen, am Rollator zu gehen sowie an seiner Motorik und der Kraftentwicklung. „Mittlerweile drücke ich 20 Kilo mehr als in der letzten Therapiephase“, sagt er nicht ohne Stolz. Auch die Stabilität im Rumpfbereich hat sich wesentlich verbessert: „Zu Beginn war ich nach zehn Minuten Spacecurl-Training klatschnass geschwitzt – jetzt geht es mir danach gut. Das kann ich dem Ambulanticum zuschreiben.“ Im März kommt er noch einmal für eine weitere Intensivtherapie zurück ins Ambulanticum – und seinem Ziel vielleicht wieder ein ganzes Stück näher: „Bis zu meiner Rente in sieben Jahren möchte ich frei laufen können“, sagt Rainer Erb, während er sich auf den Weg zur nächsten Therapieeinheit macht. „Und dann. Dann schreibe ich ein zweites Buch“, sagt er. Und lächelt.

Weitere Infos zum Buch gibt es hier.

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