Von Anfang an dabei: 10 Jahre Mitarbeiterin im Ambulanticum

Silke Biesemann und Anna Heun gehören seit 2012 zum Team

Ein Team aus 34 Mitarbeitenden, mehr als 200 Patient:innen pro Jahr, moderne Therapiegeräte,  internationale Kooperationen und zahlreiche Erfolgsgeschichten: Seit der Gründung des Ambulanticum im März 2012 ist viel passiert: Vom Exoten im etablierten Gesundheitssystem hat sich die ambulante Einrichtung zu einem Therapiezentrum entwickelt, das in der patientenorientierten Nachsorge neue Maßstäbe setzt. Eine Entwicklung, die Silke Biesemann und Anna Heun miterlebt und auch mitgeprägt haben. Die beiden Ambulanticum-Mitarbeiterinnen sind von Anfang an dabei und seit zehn Jahren Therapeutinnen in Herdecke.

„Das Ambulanticum hat damals etwas ganz Neues in der neurologischen Therapie angeboten. Das fand´ ich spannend“, blickt Silke Biesemann zurück. Seit dem 1. Februar 2012 gehört die Ergotherapeutin zum Ambulanticum-Team. Sie hat die Anfangszeit hautnah mitgemacht. Hat erlebt, wie Therapieabläufe gemeinsam entwickelt und das Team ganz bewusst interdisziplinär aufgebaut wurde. „Jeder kam aus einer anderen Richtung. Physiotherapeuten, Sportwissenschaftler, Ergotherapeuten arbeiteten zusammen – das war für mich neu. Und sehr interessant“, so die 53-Jährige.

Kein Schema F

Eine weitere Fachdisziplin kam kurze Zeit später mit Sprachtherapeutin Anna Heun dazu. Im Mai 2012 hat sie das Team ergänzt, das zu der Zeit noch weniger als zehn Mitarbeitende zählte. „Mich hat von Anfang an überzeugt, dass im Ambulanticum die Patient:innen im Mittelpunkt stehen. Es zählt, was ihnen guttut. Und dafür schauen wir immer wieder über den Tellerrand“, erklärt Anna Heun, warum sie bis heute gerne im Ambulanticum arbeitet.  Nicht nach Schema F vorzugehen, ist ihr und dem gesamten Team wichtig. „Ich konnte von Anfang an eigene Ideen einbringen, mich selbst ausprobieren, Neues einbringen. Dafür gab es Verständnis und vor allem Unterstützung“, so die gebürtige Herdeckerin, die ihren Job auch nach zehn Jahren sehr mag. „Ich gehe einfach gerne zur Arbeit ins Ambulanticum. Ich kann sehr individuell arbeiten und das Team ist einfach toll.“

Kleine Schritte – große Wirkung

Gemeinsam mit Silke Biesemann und dem gesamten Team hat sie seit der Gründung viele Menschen auf ihrem Weg zurück in ein möglichst selbstbestimmtes Leben begleitet und unterstützt. Einzelne Erfolgsgeschichten möchten beide da gar nicht hervorheben. „Es gibt so viele Beispiele. Und manchmal sind es die kleinen Schritte, die für die einzelnen eine große Wirkung haben“, sind sie sich einig. Schließlich kommen viele Patientinnen und Patienten mit schweren Krankheitsbildern. Sie sitzen nach Unfällen im Rollstuhl, können nach Schlaganfällen nicht mehr sprechen und laufen oder haben mit den Folgen eines Schädelhirntraumas zu kämpfen. Der Weg zurück ins Leben ist da sehr mühsam – und auch mal von Rückschlägen geprägt. „Da ist es dann wichtig, Mut zuzusprechen, Geduld zu haben und nicht aufzugeben“, so Anna Heun.

Patient:innen aus aller Welt

Auch nach zehn Jahren entwickelt sich das Therapiekonzept im Ambulanticum immer weiter. „Das ist ein kontinuierlicher Prozess. Der Stand, auf dem wir jetzt sind, ist ja über all die Jahre gewachsen“, so Silke Biesemann. Therapiegeräte haben sich weiterentwickelt, neue Kooperationen sind entstanden, neue Kollegen und Kolleginnen hinzugekommen – und Patienten aus aller Welt. Menschen aus ganz Deutschland, aber auch aus den Niederlanden, aus Russland oder Jordanien kommen nach Herdecke, um sich im Ambulanticum behandeln zu lassen. Selbst wenn die Corona-Pandemie die Arbeit in den vergangenen zwei Jahren erschwert hat: Es ging immer weiter. Und das soll es auch die nächsten zehn Jahre und darüber hinaus: „Was mit dem Ambulanticum entstanden ist, ist wirklich einmalig“, finden auch die beiden Mitarbeiterinnen, die zusammen mit dem Therapiezentrum ihr Zehnjähriges feiern.

 

„Ich möchte zeigen, wie wichtig es ist, an sich zu glauben.“

Im Gespräch mit Dr. Krahl über seine Autobiographie „Schlagseite“

Die Entwicklung des Herdecker Therapiezentrums „Ambulanticum“ ist eng mit der Lebensgeschichte des Gründers verknüpft: In dem Buch „Schlagseite“ hat Dr. Bernhard Krahl seine Geschichte niedergeschrieben. Im Interview zu seiner Autobiographie erzählt der Zahnarzt und Ambulanticum-Geschäftsführer, wie er zum Autor wurde, welche Lebensstationen in seinem Buch nicht fehlen durften und was das Ambulanticum ihm bedeutet.

Wie ist die Idee entstanden, das eigene Leben als Buch niederzuschreiben?

Ideengeber waren Patienten, Bekannte und Freunde. Mit ihnen habe ich immer wieder gesprochen: über meinen Schlaganfall, meinen Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben, über das Ambulanticum. Ich habe ihnen von meinem Leben erzählt – aber immer ein wenig anders. Es waren andere Einblicke und Ausschnitte. Und irgendwann habe ich mir gedacht: Ich erzähle jetzt einfach mal alles. So reifte die Idee, meine Geschichte quasi in eine Endform zu gießen und zu verschriftlichen.

Wie lange haben Sie an dem Buch gearbeitet?

Von der ersten Idee bis zu dem Moment, in dem ich den roten Knopf zum Andruck drücken konnte, vergingen gut zwei Jahre.

Nach welchen Kriterien haben Sie die Erinnerungen und Lebensstationen ausgewählt, die den Weg in ihr Buch gefunden haben?

Ich bin in erster Linie chronologisch vorgegangen. Und natürlich waren die einschneidenden Begebenheiten meines Lebens „gesetzt“ – ob privat, gesundheitlich oder beruflich. Aber mir war es auch wichtig, kleine, zum Teil auch heitere Episoden hinzuzufügen, die – wie ich finde – meinen Charakter und meine Einstellung zum Leben authentisch transportieren.

Was war Ihnen bei der Erzählung Ihrer Lebensgeschichte besonders wichtig?

Es war mir wichtig, den Aufbau und die Entwicklung unserer einmaligen Therapieeinrichtung in meinem Buch aufzuzeigen. Das Ambulanticum ist aus meinem Leben nicht wegzudenken. Es hat mir selbst immer auch Kraft und Selbstvertrauen gegeben. Darum ist es ein elementarer Bestandteil meiner Autobiographie geworden.

Was möchten Sie bei den Leserinnen und Lesern Ihres Buches erreichen?

Ich möchte meine Leserinnen und Leser ermuntern, nie aufzugeben. Viele befinden sich vielleicht in ähnlichen Lebenssituationen. Oder stehen jemandem nahe, der mit einem Schicksalsschlag zu kämpfen hat und neu anfangen muss. Ich möchte diesen Menschen ein Beispiel geben und zeigen, wie wichtig es ist, an sich und seine eigene Zukunft zu glauben.

Hat sich der Blick auf Ihr Leben durch die Arbeit an der Autobiographie noch einmal verändert?

Der Schreibprozess war sicherlich auch ein Verarbeitungsprozess. Durch das Schreiben ist es mir gelungen, mit Lebensphasen abzuschließen, die ich noch nicht ganz „verdaut“ hatte. Dadurch ist der Rucksack meiner Lebensereignisse, den ich mit mir herumtrage, etwas leichter geworden. Dafür bin ich dankbar.

Durch die Arbeit an diesem Buch sind sie auf gewisse Weise noch einmal auf „Lebensreise“ gegangen. Wenn Sie heute auf Ihr Leben zurückblicken und es mit drei Worten beschreiben sollten: Welche wären das?

Zuversicht, Mut, Verlässlichkeit

Gibt es Textpassagen, die Ihnen besonders am Herzen liegen?

Ich lese das emotionale Kapitel „Abschied von Micki“ – meiner verstorbenen Frau – immer wieder gerne. Für mich ist es eine anrührende Erinnerung an das Ende einer Zweisamkeit in Würde.

Bleibt es bei diesem Buch oder bleiben Sie dem Schreiben treu?

Ich habe vor, weiterhin zu schreiben. Und dabei möchte ich auf zu neuen Ufern. Aktuell ist ein – thematisch ähnliches – Buch in Vorbereitung. In ihm möchte ich von den zauberhaften Erfolgen einiger unserer Patientinnen und Patienten erzählen. Eng verknüpft mit der Vorstellung und Erklärung zeitgemäßer robotikassistierter und gerätegestützter Therapiemaßnahmen. Es soll eine schriftliche Hilfestellung zum Verstehen komplexer Herausforderungen werden. Der Arbeitstitel steht schon:   Bewegende Erfolgsgeschichten,  Untertitel: Siehste – geht doch!

Weitere Informationen, Leseproben und das Bestellformular zum Buch gibt es hier.

„Ich wusste, ich werde wieder laufen.“

Rashide Serifi steht nach jahrelanger Therapie wieder auf eigenen Beinen

2012 sollte ein glückliches Jahr für Rashide Serifi werden: Die damals 21-Jährige war schwanger, freute sich gemeinsam mit ihrem Mann auf ihr erstes Kind. Doch die Geburt wurde für sie und ihre Familie zum lebensverändernden Wendepunkt: Eine Periduralanästhesie (PDA) mit einer verunreinigten Spritze löste eine katastrophale Kettenreaktion aus. Nach der Geburt ihres Sohnes bekam Rashide Serifi eine Hirnhautentzündung, Bakterien durchsetzten ihre Wirbelsäule mit Eiterherden. Durch mehrere Operation im Bereich der Wirbelsäule wurde das Rückenmark schwer geschädigt. Die junge Mutter war von einem Augenblick auf den anderen inkomplett querschnittgelähmt. Ihre Prognose: ein Leben im Rollstuhl.

Langer Leidensweg

Die Diagnose war ein Schock und der Beginn eines langen Leidensweges: Nach der Geburt lag Rashide Serifi zunächst vier Wochen auf der neurologischen Station. Ihr Zustand verschlechterte sich zunehmend. Kein Antibiotikum schlug an. Eine Not-OP wurde nötig. Sie wurde in die Uni-Klinik verlegt, ihr Leben hing an einem seidenen Faden. Doch Rashide überstand die Operation. So wie sechs weitere, die folgten. Sie war lange Zeit in Kliniken. Ihren kleinen Sohn sah sie so gut wie gar nicht. „Das war besonders schlimm“, erklärt die heute 30-Jährige, die sich nach den langen Klinikaufenthalten in einer Reha „an den Rollstuhl gewöhnen sollte“.  Ein Ziel, das für Rashide Serifi gar kein Ziel war. Sie wollte mehr. Sie wollte wieder laufen können. Für sich. Für ihren Sohn. Für ihre Familie. „Ein Leben im Rollstuhl war für mich keine Option“, sagt sie heute. „Ich wusste, wie schwer, lang und mühsam der Weg werden würde. Aber einen anderen gab es für mich nicht.“

Kleine Fortschritte für große Erfolge

Sie setzt alles daran, den Rollstuhl hinter sich zu lassen, wieder auf eigenen Beinen zu stehen und zu gehen. Mit unbändigem Willen und der Unterstützung ihrer Familie kämpft sie sich durch vier Jahre Rollstuhl und drei Jahre Therapie, die sie im Ambulanticum absolviert. Das Therapiezentrum in Herdecke war ein Glücksfall: „Nach negativen Erfahrungen in der Reha ging man endlich auf mich und meine Bedürfnisse ein“, sagt Rashide Serifi. „Das Ambulanticum bot genau das, was ich mir an Therapie vorgestellt habe.“ Im Mai 2013 kam sie zum ersten Mal ins Ambulanticum. Im Rollstuhl und mit schwacher Rumpfstabilität, aber mit einem großen Traum und hoher Einsatzbereitschaft. „Ich habe 100 Prozent gegeben – und bin manchmal nur 0,01 Prozent weitergekommen“, erzählt die Leverkuserin „Das war hart. Aber ich habe gelernt, dass auch kleine Fortschritte Erfolge sind und letztendlich zu großen Fortschritten werden.“

Zurück im Leben

Mit einem individuell auf sie abgestimmten Therapiekonzept trainierte Rashide Serifi ihre Muskulatur und ihr Gleichgewicht. Sie arbeitete im Spacecurl an ihrer Rumpfstabilität, übte mit verschiedenen Hilfsmitteln das Stehen. Am Lokomaten – einem Gangtrainer – ging sie unzählige Schritte. Immer und immer wieder.  Es folgten Trainingseinheiten auf dem Laufband, später die ersten freien Steh- und Gehversuche. Die Therapie brachte sie an ihre körperliche Leistungsgrenze. Es gab Tage, da fehlte die Kraft. „Natürlich waren da Momente, in denen ich nicht mehr wollte. Und nicht mehr konnte“, blickt Rashide Serifi zurück. „Aber das Team war immer für mich da und hat mich motiviert – auch wenn ich es ihnen sicher nicht immer leicht gemacht habe.“ Sie lächelt. Und sie strahlt, wenn sie von dem Leben erzählt, das sie heute führen kann: Zehn Jahre nach der Querschnittlähmung hat sie ihr Ziel erreicht – und noch viel mehr. Sie kann laufen, Autofahren, Sport machen. Und Rashide Serifi ist zum zweiten Mal Mutter geworden. Iljas ist heute drei Jahre alt und macht das Glück von Rashide Serifi, Ehemann Kenan und Bruder Mikail komplett. „Es war ein langer Weg“, sagt sie. „Aber für mich war immer klar: Ich werde wieder laufen.“

„Wir haben bewiesen, dass unser patientenorientierter Therapieansatz funktioniert.“

10 Jahre Ambulanticum: Im Gespräch mit Marion Schrimpf und Dr. Bernhard Krahl

2007 erlitt Dr. Bernhard Krahl zwei schwere Schlaganfälle, die er nur knapp überlebte. Der Zahnarzt und Inhaber eines Dental-Spezialartikel Unternehmens kämpfte sich entgegen allen Prognosen zurück ins Leben. 2012 gründete der heute 74-Jährige gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Marion Schrimpf das Ambulanticum, ein interdisziplinäres Therapiezentrum für Kinder und Erwachsene mit Erkrankungen des zentralen Nervensystems. Menschen, die nach Schlaganfällen, Querschnittlähmungen, Schädelhirntraumata, ICP und Diagnosen wie Multipler Sklerose oder Parkinson wieder auf die Beine kommen möchten. Seit zehn Jahren finden sie im Ambulanticum Unterstützung und Hoffnung. Wie die Gründer und Geschäftsührer der Herdecker Therapieeinrichtung diese Zeit erlebt haben, welche Herausforderungen sie meistern mussten und was sie sich für die Zukunft wünschen, erzählen Marion Schrimpf und Dr. Bernhard Krahl im Interview.

10 Jahre Ambulanticum: Wenn Sie darüber nachdenken, was kommt Ihnen als erstes in den Sinn?

Dr. Bernd Krahl:

Zuallererst sind es unglaublich viele Erfolgsgeschichten, an die ich denke.  Damit meine ich die Erfolge des Ambulanticum selbst. Es entspricht mit seinem Therapiekonzept nicht dem etablierten System, hat sich gegen viele Widrigkeiten durchgesetzt und neue therapeutische Maßstäbe definiert. Und natürlich denke ich auch an die Erfolge unserer Patient:innen.

Marion Schrimpf:

Wir sind stolz auf diese zehn Jahre. Stolz, dass wir bewiesen haben, dass der von uns gelebte patientenorientierte Ansatz funktioniert und dass Menschen, die als austherapiert abgestempelt werden, mit den richtigen Mitteln und Methoden großartige Fortschritte erreichen können. Sie erlangen Autonomie, Selbstbewusstsein und Handlungsfähigkeit wieder. Das motiviert uns, weiterzumachen. 10 Jahre Ambulanticum sind ein guter Anfang. Aber es gibt noch viel zu tun, damit eine effiziente und effektive Therapie wie wir sie im Ambulanticum vorleben, zur Regelversorgung wird.

Wie haben Sie die Anfänge des Ambulanticum erlebt?

Dr. Bernhard Krahl:

Es gab sehr viele Schwierigkeiten. Wir mussten uns von unseren Gründungspartnern trennen. Es gab quasi eine „Vollbremsung“ bei der Finanzierung, später dann waren alle finanziellen Ressourcen aufgebraucht und wir standen kurz vor der Insolvenz. Mit unserem privaten Vermögen sind wir dann volles Risiko gegangen. Wir haben weiter an das Projekt geglaubt – immer mit dem Ziel, unseren Patienten Hoffnung und eine neue Lebensperspektive zu geben.

Was waren auf dem Weg von den Anfängen bis zum 10. Geburtstag besondere Herausforderungen?

Marion Schrimpf:

Die bisher größte Herausforderung war die Anerkennung des Therapiekonzeptes in der Nachsorge durch die Kostenträger. Und diesen Kampf fechten wir bis heute aus. Wir kämpfen unentwegt dafür, das Konzept der Intensivtherapie im AMBULANTICUM® in die Regelversorgung zu bringen und diese Form der Therapie als eine eigene Säule neben der bestehenden medizinischen und pflegerischen Versorgung im Gesundheitssystem zu etablieren. Um das zu erreichen, haben wir ein interdisziplinäres Therapiekonzept erarbeitet, ein breites internationales Netzwerk aufgebaut und ein Team aus Therapeut:innen zusammengestellt, das unsere Vision mit uns trägt und vorantreibt.

Trotz aller Anfangsschwierigkeiten und Herausforderungen: Würden Sie diesen Schritt der Gründung noch einmal gehen?

Marion Schrimpf:

Ja, die Gründung des AMBULANTICUM® war ein notwendiger Schritt. Therapieeinrichtungen wie unsere werden dringend gebraucht.

Aber die letzten zehn Jahre haben auch gezeigt: So ein Projekt ist keines, das man nur aus Vernunftgründen angeht. Für so ein Projekt muss man brennen. Ansonsten überlebt man in unserem streng reglementierten Gesundheitssystem nicht – insbesondere, wenn man keine Wegbegleiter hat und alles – wie wir – selbst finanziert.

Wofür steht das Ambulanticum Ihrer Ansicht nach heute?

Marion Schrimpf:

Das Ambulanticum steht für ein einmaliges Konzept für Kinder und Erwachsene mit einer erworbenen Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS). Unsere Therapie stellt unsere Patient:innen in den Mittelpunkt. Wir vereinen alle therapeutischen Maßnahmen verschiedener Disziplinen individuell zum Wohle der Patient:innen und bringen sie in Einklang, um ein bestmögliches Ergebnis zu erzielen.

Dr. Bernhard Krahl:

Im AMBULANTICUM ermöglicht man den angeblich „austherapierten“ Patient:innen eine erfolgreiche individualisierte Intensivtherapie. Sogar nach vielen Jahren der Erkrankung machen sie noch Fortschritte und kommen ihrem Ziel wieder ein Stück näher. Darum steht das Ambulaticum für Hoffnung, die es den Menschen gibt, die als austherapiert gelten. Wir haben gezeigt, dass es sich lohnt, nach zeitgemäßen anderen Wegen zu suchen und nicht aufzugeben – und dass die Diagnose „austherapiert“ noch lange nicht das Ende ist.

Wie sehen Sie die Zukunft: Was möchten Sie mit dem und für das Ambulanticum und seine Patienten noch erreichen?

Dr. Bernhard Krahl:

Wir werden das Ambulanticum in eine Stiftung umwandeln. So ist die Unabhängigkeit und Entscheidungsfreiheit langfristig gewährleistet – auch nach unserem Ausscheiden. Wir möchten, dass dieses zielführende Trainingstherapiekonzept des Ambulanticum von allen Kostenträgern akzeptiert wird und alle Kinder und Erwachsene mit einer Erkrankung des ZNS in naher Zukunft davon profitieren können.

Marion Schrimpf:

Dafür muss allerdings ein Umdenken in Gesellschaft und Politik erreicht werden. Die bürokratischen Hürden für eine solche Therapie müssen abgebaut werden. Und vor allem dürfen solche Therapiemöglichkeiten nicht am Geld scheitern. Bei einem sowieso schon unfairen Kampf, in dem es darum geht, sich Dinge „zurückzuerobern“, die den meisten Menschen selbstverständlich erscheinen, sollten zumindest alle die gleichen Chancen haben. Und die Hoffnung, wieder ein selbstbestimmtes Leben führen zu können.

Von wegen für immer

Rainer Erb kämpft sich aus dem Rollstuhl – und hat ein Buch darüber geschrieben

Rainer Erb sitzt an seinem Computer und arbeitet, als seine Knie plötzlich schwach werden. Der 55-jährige Zimmermeister fällt vom Stuhl – und kann sich nicht mehr bewegen. Von jetzt auf gleich ist er querschnittsgelähmt. Die Ursache ist bis heute unbekannt. Die erste Prognose lautet: Rollstuhl für immer. Ein Schicksal, in das sich Rainer Erb nicht fügen möchte. Er kämpft dafür, wieder auf die Beine zu kommen. „Von wegen für immer“ ist sein Motto – und der Titel eines Buches, das seine Geschichte erzählt.

Im Labyrinth aus Therapien und Anträgen

Zwölf Tage Erstversorgung im Krankenhaus Fulda. Sieben Monate in einer Spezialklinik in Bad Wildungen. Dann drei Monate Reha mit Vojta- und Wassertherapie. Nach den ersten sechs Monaten gibt es kleine Fortschritte, Rainer Erb kann ein Bein leicht bewegen. Zurück zu Hause beginnt die Physiotherapie vor Ort – bis zu 20 Stunden in der Woche arbeitet Rainer Erb an seinem Ziel, wieder laufen zu können. 

„Momentan gibt es für mich Therapie, Essen, Schlafen und Trinken“, sagt der Fuldaer. Aber für ihn gibt es auch:  ein Labyrinth aus Therapiemöglichkeiten, Anträgen und Absagen. Auch hier kämpft Rainer Erb sich durch – und schreibt alles auf. Das, was ihm durch den Kopf geht. Das, was er aus den Therapien mitnimmt. Das, was er im Bürokratiedschungel erreicht. Die Aufzeichnungen helfen ihm, seine Situation zu verarbeiten. Sie stützen ihn, treiben ihn an und werden die Grundlage seines Buches, mit dem er vor allem eines erreichen möchte: anderen helfen, die in einer ähnlichen Situation sind. „Ich möchte zeigen, dass man die Dinge auch selbst in die Hand nehmen muss, um was zu erreichen“, betont Rainer Erb.

Ein Training, das fordert und fördert

Die Arbeit an seinem Buch führt ihn auch ins Ambulanticum: Seine Biographin, Dagmar Wagner, macht ihn auf die ambulante Therapieeinrichtung aufmerksam. Schon beim Blick auf die Website merkt er: Die machen genau das, was ich brauche. Ein intensives, individuelles Training, das fördert und fordert. „Dabei gehe ich an meine Leistungsgrenze. Ich lasse nicht locker“, erzählt Rainer Erb, der von dem Therapiekonzept und der Umsetzung überzeugt ist: „Die Therapeut:innen sind richtig gut geschult und die vielen Hilfsmittel und Trainingsgeräte gibt es woanders in dieser Form nicht.“

Frei laufen – bis zur Rente

Gemeinsam mit seinen Therapeut:innen arbeitet Rainer Erb zurzeit daran, frei zu stehen, am Rollator zu gehen sowie an seiner Motorik und der Kraftentwicklung. „Mittlerweile drücke ich 20 Kilo mehr als in der letzten Therapiephase“, sagt er nicht ohne Stolz. Auch die Stabilität im Rumpfbereich hat sich wesentlich verbessert: „Zu Beginn war ich nach zehn Minuten Spacecurl-Training klatschnass geschwitzt – jetzt geht es mir danach gut. Das kann ich dem Ambulanticum zuschreiben.“ Im März kommt er noch einmal für eine weitere Intensivtherapie zurück ins Ambulanticum – und seinem Ziel vielleicht wieder ein ganzes Stück näher: „Bis zu meiner Rente in sieben Jahren möchte ich frei laufen können“, sagt Rainer Erb, während er sich auf den Weg zur nächsten Therapieeinheit macht. „Und dann. Dann schreibe ich ein zweites Buch“, sagt er. Und lächelt.

Weitere Infos zum Buch gibt es hier.

Der Wille, helfen zu wollen

Assistenten im Alltag unterstützen bei Ambulanticum-Aufenthalt

Für Borislav Davidkov war es ein ganz normaler Arbeitstag. Der Architekt hatte eine Besprechung, stand vor vielen Menschen in einem Raum mit wenig Sauerstoff. Auf einmal brach er zusammen, schlug mit dem Kopf auf dem Tisch auf, wurde bewusstlos – und wachte in einer völlig neuen Lebenssituation wieder auf: Seit dem Unfall ist der 53-Jährige vom Hals abwärts gelähmt. Im Ambulanticum möchte er sich einen möglichst normalen, selbstständigen Alltag erarbeiten. Dabei bekommt er Unterstützung von den „Assistenten im Alltag“. Der Assistenzdienst aus Unna begleitet und betreut den Frankfurter während seiner Intensivtherapie – 24 Stunden lang, rund um die Uhr.

Aufstehen, vom Bett in den Rollstuhl kommen, waschen, essen. Bei all diesen Tätigkeiten braucht Borislav Davidkov Hilfe. Durch seinen inkompletten Querschnitt hat er eine schwache Rumpfstabilität. Lange Zeit konnte er nicht ohne Rückenlehne oder auf einem normalen Stuhl sitzen. Es fällt ihm schwer, das Gleichgewicht zu halten und seine Beine zu nutzen. Auch die Arme sind in den Bewegungen eingeschränkt, die Hände kann er nur leicht einsetzen. Die ambulante Therapie im Ambulanticum – die Wechsel zwischen den Therapieräumen, die Trink- und Essenspausen – wären ohne Assistenten für ihn nicht machbar. „Trotzdem ist eine Therapie bei uns möglich“, betont Marion Schrimpf, Geschäftsführerin der Herdecker Einrichtung.

Ängste nehmen. Vertrauen aufbauen.

Nach Sichtung aller Anträge, Untersuchungsergebnisse und Klinikunterlagen griff sie zum Telefon und schlug Borislav Davidkov für die Therapiephasen die Zusammenarbeit mit einem Assistenzdienst vor. Der nahm den Vorschlag an und Kontakt zu Mark Oberstadt, Gründer und Geschäftsführer der „Assistenten im Alltag“, auf. „Ich wusste nicht, was mich erwartet, war unsicher und hatte viele Fragen“, erinnert sich der Ambulanticum-Patient an das erste Telefonat. Doch die Sorgen wurden ihm schnell genommen. „Ich habe sofort den Eindruck bekommen: Das sind erfahrene Leute, die kennen sich aus. Die Zuversicht, die verbreitet wurde, hat auch meine letzten Zweifel beseitigt.“ Ängste nehmen. Vertrauen aufbauen. Zuhören. Das ist Mark Oberstadt und seinem Team sehr wichtig. „Wir verbringen ja viel Zeit mit unseren Kunden, unterstützen auch in Pflege- oder privaten Situationen. Da muss die Chemie stimmen – und das Vertrauen auch.“

Möglich machen, was möglich sein muss

Auf das erste Telefonat folgte ein Kennenlerntag, an den beide schmunzelnd zurückdenken: Als die Assistenten mit ihrem Transporfahrzeug – einem Caddy – vorfuhren, war dem 1,95 Meter großen Borislav Davidkov sofort klar: „Mit Elektrorollstuhl passe ich da nicht rein“. Und er sollte recht behalten. „Da hatte ich mich etwas verschätzt“, erzählt Mark Oberstadt und muss bei der Erinnerung lachen. Ein Hinderungsgrund für eine Zusammenarbeit war das aber nicht. Der Geschäftsführer des Unnaer Assistenzdienstes schaffte kurzerhand ein größeres Fahrzeug an: „Wir versuchen immer, möglich zu machen, was möglich sein muss.“

Enge Abstimmung: Ambulanticum und Assistenzdienst

Der Fahrdienst vom Appartment zum Ambulanticum ist allerdings nur eine von vielen Aufgaben, die das Assistenzteam übernimmt. Zwischen acht bis neun Assistent:innen,- darunter auch Pflegekräfte – kümmern sich im Wechsel, aufgeteilt in Tages- und Nachtschichten, um die 24-Stunden-Betreuung. Sie kaufen ein, kochen, helfen bei der Körperpflege, beim Umziehen, beim Transfer in den Rollstuhl und unterstützen während der Therapiezeiten, wann und wo es nötig ist.

Dabei arbeitet das Team eng mit dem Ambulanticum zusammen. So wurde zum Beispiel der Therapieablauf flexibel geregelt: „Da die Morgenroutine vom Weckerklingeln bis zur Abfahrt mit dem Transporter rund drei Stunden benötigt, fängt für Herrn Davidkov kein Therapietag vor 10 Uhr an“, erklärt Mark Oberstadt. „Die Zusammenarbeit mit dem Ambulanticum läuft sehr gut. Wir werden problemlos miteingebunden und das wirkt sich natürlich auch positiv auf die Betreuung aus.“ Für Borislav Davidkov hat die Kooperation zwischen Ambulanticum und Assistenzdienst die ambulante Therapie erst möglich gemacht – und geholfen auch Probleme und Unwägbarkeiten auf dem Weg zu meistern. „Es war und ist mir ganz wichtig, dass die Motivation und der Wille da sind, mir helfen zu wollen. Und beides war immer da.“

 

IM GESPRÄCH

„Im Ambulanticum merke ich, was machbar ist.“

Borislav Davidkov setzt sich in der Intensivtherapie immer neue Ziele

Lange Klinik- und Rehaaufenthalte, Ergo- und Physiotherapieeinheiten: Seit seiner unfallbedingten Querschnittlähmung vor zwei Jahren hat Borislav Davidkov schon einige Therapien und Anwendungen kennengelernt. Ein Jahr nach dem Unfall erkannte er Fortschritte in seiner körperlichen Entwicklung. In den heimischen Therapie-Einheiten gelangen Stehversuche und bald auch erste Gehversuche. Er suchte nach einer Therapie, die ihn noch intensiver unterstützt. Die Intensivtherapie im Ambulanticum ist für ihn ein neuer Ansatz: Seit August 2021 trainiert er in der Herdecker Einrichtung 5,5 Stunden täglich an fünf Tagen in der Woche. Im Interview spricht er über seine Therapie und seine Ziele.

Wie erleben Sie die Therapie im Ambulanticum?

Ich finde es hier super. Die Therapie bekommt mir wirklich gut. Das Training ist effektiv, aber auch sehr anstrengend. Darum finde ich es sinnvoll und richtig, dass auf die vierwöchigen Trainingsphasen auch immer wieder Auszeiten folgen. Jede Trainingsphase bringt mich einen Schritt vorwärts. Die Trainingseinheiten und die Abstimmung der Physio-Ergo-, Logopädie- und Sporttherapie koordinieren meine Paten ganz hervorragend gezielt und individuell. Ich laufe täglich. Manche Einheiten mit gerätetechnischer Unterstützung wie im Lokomat und immer wieder am Unterarm-Rollator. Meine Selbstständigkeit in dieser Therapie zun erleben, motiviert mich sehr.  

Welche Ziele möchten Sie mit dem Training erreichen?

Grundsätzlich möchte ich so viel Selbstständigkeit und Mobilität wie möglich zurückerlangen. Ich möchte mein Gleichgewicht halten, selbstständig aufstehen, am Rollator laufen können. Am Computer arbeiten und eigenständig essen. Diese Wünsche habe ich durch das Ambulanticum in Ziele formuliert. Und hier merke ich auch, dass es machbar ist, diese Ziele zu erreichen. Vielleicht nicht alle und nicht in schnellen Schritten – aber kontinuierlich.  

Was haben Sie durch das Training bisher erreicht?

Das Team vom Ambulanticum hat hervorragende Arbeit geleistet und mir zu vielen Fortschritten verholfen. Grundsätzlich sind alle Funktionen der Arme und Beine, die ich zu Beginn der Therapie hatte, viel stabiler und selbstverständlicher geworden. Ich kann mittlerweile viel besser sitzen. Meine gesamte Rumpfstabilität hat sich enorm verbessert. Dabei hilft mir das Aufstehtraining sehr. Auch bin ich viel mobiler als zuvor und sitze viel öfter im Aktivrollstuhl. Ich weiß jetzt, wie ich meine Arme einsetzen kann und muss, um mich darin sicher fortzubewegen. Nicht immer auf den E-Rollstuhl angewiesen zu sein – das ist ein weiteres Ziel von mir. Das setzt aber voraus, dass der Transfer vom Rollstuhl in ein normales Auto funktioniert. Und das ist jetzt noch nicht möglich –  aber eines meiner zukünftigen Ziele. 

Die Therapie

Die Intensivtherapien im Ambulanticum folgen einem bewährten Behandlungsablauf, der Patient:innen und Angehörige in die Planung und Zielsetzung der Therapie miteinbezieht. Auf diese Weise entstehen sehr individuelle Trainingspläne, die kontinuierlich an die Fortschritte angepasst werden. Die Therapieeinheiten von Borislav Davidkov waren in kleine Choreografien unterteilt: Die erarbeiteten Fähig- und Fertigkeiten konnten so schrittweise in den Alltag übertragen werden. Der Patient lernt, welche Abläufe er alleine meistern kann und wo noch Unterstützung notwendig ist. Da auch Angehörige mit diesen Choregrafien und Abläufen vertraut gemacht werden, wird der gemeinsame Alltag – der Übertrag von der Therapie- zur Heimphase zu Hause – erleichtert.

Weitere Informationen zur Therapie im Ambulanticum gibt es unter www.ambulanticum.de

 

Sehen, was möglich ist.

Joost Meyer trainiert im Ambulanticum für ein selbstständiges Leben

Joost Meyer war auf dem Weg zu einer Freundin, um an der Disposition für seine Promotion zu arbeiten, als sich sein Leben von einer Sekunde auf die nächste veränderte: Bei einem Auffahrunfall auf der Autobahn wurde er schwer verletzt, sein erster Lendenwirbel brach, das Rückenmark wurde zerstört. Das war im Januar 2020. Seitdem ist der 45-Jährige von der Hüfte abwärts gelähmt. Diagnose: komplette schlaffe Paraplegie, Querschnittslähmung. Nach der OP war er vier Monate zur Erstmobilisation im Krankenhaus. Rund ein Jahr später kam Joost Meyer zum ersten Mal ins Ambulanticum. Dort trainiert er regelmäßig für mehr Selbstständigkeit und Unabhängigkeit im Alltag.

Gemeinsam Ziele setzen und erreichen

Den Weg ins Ambulanticum fand Joost Meyer über seinen Rehaberater. „Der hat mir direkt gesagt: Das passt zu dir. Geh´ dahin´“, erinnert sich der Bildhauer und Wissenschaftler. Er folgte dem Rat, vereinbarte ein Vorgespräch und war sofort überzeugt. „Ich fand das Konzept im Ambulanticum von Anfang an sehr, sehr cool.“ Im Mai 2021 begann seine erste Intensivtherapie in der Herdecker Einrichtung, im September dieses Jahres war er bereits zur dritten Therapiephase da. „Für mich ist es Luxus, dass ich hierhin kommen kann“, so der Aachener. „Es gibt einen Therapieplan, der individuell für mich erarbeitet wird. Die Therapeutinnen und Therapeuten besprechen mit mir, was meine Ziele sind. Und gemeinsam denken wir darüber nach, wie wir diese erreichen können.“

 

Körpergefühl und Koordination verbessern

Und diese Ziele verändern sich von Therapie zu Therapie. Sind erste „Meilensteine“ erreicht, werden neue gesetzt. „Meine Ziele sind quasi mitgewachsen“, bestätigt der Ambulanticum-Patient. Noch vor einem Jahr war es für ihn eine Herausforderung, auf der Bettkante zu sitzen und ein T-Shirt anzuziehen, ohne nach vorne zu kippen. „Das ist heute kein Problem mehr. Darüber denke ich gar nicht mehr nach“, so Meyer.

Sein Körpergefühl und seine Koordination haben sich verbessert, die Rumpfmuskulatur ist stärker geworden – ob beim Training im Spacecurl, durch Einheiten am Reitsimulator oder Übungen auf dem Lokomat®Pro, bei denen er während der aufrechten Gangbewegungen seine „Muskulatur wiederentdecken kann“, wie er es nennt. „Ich fühle mich insgesamt fitter und bin viel sicherer geworden.“ Treppen, hohe Bürgersteige oder andere Hindernisse, die Rollstuhlfahrern in ihrem Alltag immer wieder begegnen, machen ihm kein Kopfzerbrechen mehr. „Ich weiß: Wenn ich muss, komme ich da hoch. Wenn es darauf ankommt, geht das. Und das gibt mir eine unglaubliche Sicherheit.“

 

Kanufahren mit Querschnitt

Mittlerweile spielt Joost Meyer in seiner Freizeit Rollstuhl-Handball, trainiert einmal in der Woche und nimmt an Turnieren teil. „Dabei war es für mich ein Horrorerlebnis, als ich im Krankenhaus kurz nach dem Unfall eine Gruppe gesehen habe, die im Rollstuhl Ballsport gemacht hat. Ich habe nur gedacht: Und da gehörst du jetzt zu“, erinnert er sich an die schwierige Zeit nach dem Unfall. Dass Joost Meyer nicht aufgegeben und das Leben nach dem Unfall angenommen hat, liegt auch an seinen zwölf und 15 Jahre alten Töchtern. „Sie waren und sind mein Antrieb“, sagt er. Mit den Mädchen gemeinsam zelten und Kanufahren – das soll auch weiterhin möglich sein. „Ich setze mir Ziele mit und über die Kinder – und dann ziehe ich das durch.“

So trainierte er auch während der Therapie im Ambulanticum für einen Kanuausflug. „Für die Rumpfmuskulatur ist das eine totale Belastung“, weiß Joost Meyer, der mit seinen Therapeut:innen gezielt Muskeln für die Tour auf dem Wasser aufbaute, seine Koordination weiter schulte und viele Trockenübungen machte, bevor er es zur Praxiseinheit auf den nahegelegenen Hengsteysee ging.

Perspektivwechsel

„Und es hat alles super geklappt“, freut sich Joost Meyer darüber, wieder etwas geschafft zu haben, was nach seinem Unfall zunächst unerreichbar schien. Zu sehen, was möglich ist – das war auch schon vor dem Unfall eine Eigenschaft des 45-Jährigen. „Das ist eine Stärke von mir, zu versuchen, das Beste daraus zu machen“, erklärt er. Natürlich sei das mit einem Querschnitt erst einmal extrem. Extrem schwierig. „Aber ich habe eine Neugierde empfunden, was gehen kann.“ Durch den Unfall habe sich seine Perspektive geändert – im positiven Sinn. Selbst wenn viele Dinge anders und manche verloren seien. „Es ist viel hinzugekommen. Vor allem eine neue Wertschätzung für das Leben“, sagt Joost Meyer voller Überzeugung und fügt mit einem Lächeln hinzu: „Ich weiß, das klingt sehr groß. Aber genauso ist es.“

Bessere Bewegung durch Neuroathletik

Sportwissenschaftler Lars Lienhard über den Einsatz seines Konzepts in der Neurologie

Dass er Sport zu seinem Beruf machen würde, war Lars Lienhard immer klar. „Es gab keinen Plan B, keine andere Option“, so der Sportwissenschaftler, der als Trainer, Ausbilder und Berater im Spitzensport tätig ist. „Was sich aber daraus entwickelt hat – das ist schon toll“, fügt der 50-Jährige hinzu, der schon mit Olympiasieger Alexander Zverev oder auch der deutschen Fußballnationalmannschaft gearbeitet hat und dabei auf einen besonderen Trainingsansatz setzt. Denn Lars Lienhard ist Namensgeber des Neuroathletiktrainings (NAT), bei dem Gehirn und Nervensystem als zentrale Elemente der Bewegungssteuerung ins „klassische“ Athletiktraining einbezogen werden. Bei einer Fortbildung im Ambulanticum hat der Experte demonstriert, wie sein Konzept auch in der neurologischen Nachsorge funktioniert – und sich Zeit für ein Interview genommen.

Was unterscheidet das klassische Athletiktraining von der Neuroathletik?

Die Neuroathletik ist eine noch sehr junge Disziplin und Herangehensweise. Athletiktraining bereitet die physischen Komponenten eines Athleten auf den Wettkampf vor, während es bei der Neuroathletik um die sogenannten neuronalen Aspekte geht. Wir haben mit unserer Arbeit neurozentrierte Ansätze etabliert. Das heißt: Wir haben das Gehirn, das die Bewegung steuert – also quasi die „Software“ – in den Fokus genommen. Denn das Gehirn reguliert den Organismus. Jeder Bewegungsbefehl, der an den Muskel gegeben wird, wird vom Gehirn erstellt. Und mit dieser Schnittstelle arbeite ich, da setze ich an.

Wann ist es sinnvoll, mit Neuroathletik zu arbeiten?

Von Spitzensportlern wird Neuroathletik genutzt, um sich auf den Wettkampf vorzubereiten und eine bestmögliche Bewegungsoptimierung zu erzielen. Jede Bewegung hat ein neuronales Profil. Die bewegungssteuernden Systeme – wie das Gehirn und das Nervensystem – müssen bereit sein, diese Bewegungsabläufe zu erfüllen. Daher wird die Neuroathletik zum Beispiel auch eingesetzt, wenn es technische Probleme gibt, wenn Bewegungs- und Steuerungsprobleme da sind. Oder wenn Schmerzen auftreten.

Gibt es bestimmte Sportarten oder -bereiche, auf die Sie spezialisiert sind?

Die Bandbreite der Sportlerinnen und Sportler, mit denen ich arbeite, ist sehr groß. Ich arbeite viel im Wintersport, in der Leichtathletik – aus der ich ja sportlich herkomme – und natürlich auch im Fußball. Damit hat alles angefangen. Ich war als Betreuer bei der Fußball-WM 2014 in Brasilien dabei. Auch heute betreue ich immer wieder mal Fußballmannschaften, arbeite aber zum Beispiel auch mit Einzelsportlern wie Olympiasieger Alexander Zverev. Aber letztendlich spielt die Sportart an sich keine Rolle für meine Arbeit, da ich Bewegung korrigiere. Deshalb gelingt auch ein Transfer zu den Patientinnen und Patienten im Ambulanticum so gut. Dort geht es ja um die Bewegungsoptimierung von Menschen, die neuromotorische Probleme haben.

Haben Sie zuvor schon mal mit neurologischen Patienten mit Ihrem neuroathletischen Ansatz gearbeitet?

Nein. Das war in meiner Karriere bisher einmalig und ein Novum für mich und meine Tätigkeit. Ich präsentiere mein Konzept meistens im Sport-  und Fitnessbereich oder in Verbänden. Aber in privaten Institutionen, die sich auf neurologische, pathologische Systeme spezialisiert haben, war ich vorher noch nicht. Aber genau da gehört die Neuroathletik auch hin. Athleten haben ja quasi ein „Nobelproblem“, wenn sie die Bewegungssteuerung optimieren möchten und müssen. Die Patienten im Ambulanticum brauchen diese Unterstützung aber extrem. Sie brauchen jede Art der Verbesserung, die sie bekommen können.

Wie haben Sie die Fortbildung im Ambulanticum gestaltet?

Es war eine zweitätige Fortbildung mit dem ganzen Therapieteam und – was wirklich toll war – auch mit drei Patienten. So konnten wir schauen, wie der Ansatz der Neuroathletik auf bestimmte Diagnosen übertragen werden kann beziehungsweise welche Komponenten wir durch neurozentriertes, neuroathletisches Training optimieren können, um den Patienten noch zusätzlich zu helfen.

Können Sie ein Beispiel aus der Arbeit mit den Patienten am Ambulanticum nennen?

Eine Patientin hatte große Gangschwierigkeiten und konnte eine komplette Seite nicht ansteuern. Das heißt, die Bewegung war sehr instabil. Wir haben mit reflexiver Stabilisierung über das Gleichgewicht gearbeitet und das Gleichgewichtsorgan über verschiedenste Techniken stimuliert, zum Beispiel mit einem visuellen System für die räumliche Orientierung. Und es wurden deutliche Fortschritte sichtbar, die Bewegungen der Patientin waren sicherer. Das habe ich gesehen, das haben die Therapeuten gesehen und – was viel wichtiger ist – die Patientin hat gespürt, dass ihr die Bewegungen leichter fallen.

 Welchen Eindruck haben Sie vom Ambulanticum und seiner Arbeit bekommen?

Ich finde das Konzept des Ambulanticums sehr spannend. Sie gehen ihre eigenen Wege und wollen wirklich etwas für und mit den Patienten verbessern. Das habe ich so selten erlebt. Und ich kann mir auch vorstellen, ein Konzept für die Arbeit mit Menschen mit neurologischen Beeinträchtigungen zu entwickeln – auch wenn das nicht bei jedem Krankheitsbild gehen wird. Aber so etwas zu implementieren, das wäre schon toll.

 

„Ich wurde zum ersten Mal gefragt, was ich erreichen möchte.“

Schülerin Anni Hilbert trainiert im Ambulanticum das Laufen – und noch viel mehr

ICP. In der Neurologie stehen diese drei Buchstaben für Infantile Cerebralparese, eine Störung des Haltungs- und Bewegungsapparats, die auf eine frühkindliche Hirnschädigung zurückgeht. Allein 2019 gab es 3.240 Fälle in Deutschland, für 2021 werden 3.328 prognostiziert. Auch Anni Hilbert lebt mit einer Infantilen Cerebralparese. Als die Schülerin ein Jahr alt war, wurde die Krankheit bei ihr diagnostiziert. Unterkriegen lässt sich die heute Elfjährige davon nicht. Im Gegenteil. Mit viel Motivation, Durchhaltevermögen und Kraft erkämpft sie sich immer weitere (Bewegungs-)Freiheiten – auch mit Hilfe von Therapien im Ambulanticum.

Vorwärts ziehen statt krabbeln

„Dass Anni motorische Verzögerungen hat, hat sich schon früh gezeigt“, blickt Annis Mutter Uta Hilbert zurück. „Sie ist zum Beispiel nie gekrabbelt, sondern hat sich vorwärts gezogen.“ Ab dem zweiten Lebensmonat bekommt Anni daher Frühförderung, arbeitet mit Physiotherapeuten. Mit zwei Jahren hat sie ihren ersten Rollator, mit drei Jahren beginnt sie das Therapeutische Reiten. In einem ambulanten Therapiezentrum bekommt Anni Manuelle Therapie, intensive Physio- und Ergotherapie. Zwei Mal im Jahr, jeweils für zwei Wochen – bis das Zentrum 2018 schließen muss.

Erste Intensivtherapie im Ambulanticum

„Einen Nachfolger gab es nicht und auch etwas Vergleichbares haben wir in unserer Region nicht gefunden“, so Uta Hilbert, die mit ihrer Familie im Süden Deutschlands lebt. Dann lesen die Eltern in der Mitgliederzeitschrift der Techniker Krankenkasse einen Artikel über das Ambulanticum. „Zu dem Zeitpunkt hatte Anni fast zwei Jahre keine Intensivtherapie mehr – und das hat man auch gemerkt. Sie selbst war unzufrieden und wollte etwas machen.“ Die Familie stellt einen Antrag auf Intensivtherapie im Ambulanticum. Ostern 2021 beginnt die erste dreiwöchige Therapieeinheit. Es folgen zwei Wochen rund um Pfingsten und zwei Wochen im Sommer.

Training mit Spaßfaktor

„Es war Annis großer Wunsch, hierhin zu gehen. Und sie liebt es hier.“ Uta Hilbert lächelt, während sie zu Anni blickt, die gerade ihre Therapieeinheit auf dem C-Mill beendet hat, einem Gangtrainer, der mit Augmented und Virtual Reality arbeitet. Auch Anni strahlt. „Das Training auf dem C-Mill ist zwar besonders anstrengend, macht aber auch Spaß“, erzählt sie, dreht ihren Rollator zurecht, setzt sich und erzählt von ihrem Training. Von den Therapieeinheiten am Lokomaten oder im 3D-Spacecurl, in dem sie sich mit Gewichtsverlagerungen um die eigene Achse dreht und auch mal Kopf steht.

Mehr Körperwahrnehmung und besseres Gleichgewichtsgefühl

„Hier gibt es so viele Möglichkeiten. Das kenne ich von anderen Therapien gar nicht“, sagt die Elfjährige. Was sie auch nicht kannte: gefragt zu werden, was man selbst möchte, welche Ziele man hat. „Das hat mich vorher noch nie jemand gefragt“, fügt sie mit leisem Erstaunen hinzu. Und Anni möchte viel erreichen. Sie ist ehrgeizig. Trainiert eifrig. Zieht die täglichen fünf Stunden Training konsequent durch. „Sie ist da wie ein Uhrwerk und geht mit extremer Motivation rein“, bestätigt auch ihre Mutter. Müde wird sie nur, wenn sie ihr Bett sieht. „Sonst könnte ich weiter machen“, ergänzt ihre Tochter und lacht. Annis Einsatz zahlt sich aus. Die Wochen im Ambulanticum zeigen Wirkung. „Ihre Körperwahrnehmung und Aufrichtung haben sich extrem gewandelt“, hat Mutter Uta beobachtet. „Sie weiß jetzt sehr genau, wo sie ansetzen muss, um aufrechter zu laufen. Ihre Muskulatur und ihr Gleichgewicht haben sich verbessert.“

Alltagssituationen selbstständig bewältigen

Auch für viele kleine, alltägliche Situationen hat Anni die Zeit im Ambulanticum geschult. Konnte sie ihre linke Hand zuvor nur kurz drehen, kann sie jetzt ein Glas selbst halten. Oder ihre Arme hochstrecken, was für das selbstständige Waschen und Duschen wichtig ist. „Die Therapie im Ambulanticum orientiert sich sehr am Alltag der Patienten. Das finden wir wichtig und richtig“, sagt Uta Hilbert. Kostete es Anni sonst zehn Minuten, einen Strumpf anzuziehen, schafft sie es jetzt in einer Minute. „Weil die Therapeuten im Ambulanticum die ersten waren, die einen Strumpfanzieher ins Spiel brachten“, so die Mutter.

Schule und Schwimmtraining

Nach der Therapie und den Sommerferien hat für Anni zu Hause ein neuer Alltag begonnen: Die Elfjährige geht jetzt auf eine Regelschule und besucht ein Gymnasium in ihrer Heimat. „Schule ist schön. Ich lerne gerne. Und man macht Übungen, ohne es zu merken“, sagt Anni, die in ihrer Schule auch die Schwimmgruppe besucht. Ein Training, das gleichzeitig ein großes Hobby von ihr ist. „Wasser ist toll“, sagt Anni und lächelt. „Im Wasser bin ich leicht. Und im Wasser kann ich laufen.“

 

 

Neue Perspektiven im Para Sport

Lina Neumair ist Talentscoutin des Behinderten- und Rehabilitationssportverbands NRW

Anfang September sind die Paralympics zu Ende gegangen. Die Spiele in Tokio haben den paralympischen Sport in den Fokus gerückt – für einen Moment. „Im Alltag bekommen Para-Sportarten und die Sportler:innen mit Behinderung aber viel zu wenig Aufmerksamkeit“, ist Ambulanticum-Geschäftsführerin Marion Schrimpf überzeugt. Dabei sei Sport gerade für Menschen mit Behinderung eine wichtige Motivation. „Er sorgt für Erfolgserlebnisse und schafft Selbstbewusstsein“, weiß auch Lina Neumair. Als Talentscoutin des Behinderten- und Rehabilitationssportverbands NRW (BRSNW) hat sie den sportlichen Nachwuchs im Blick und sich die Therapiemöglichkeiten im Ambulanticum bei einem Besuch angeschaut.

Menschen für den Parasport begeistern

„Es ist wichtig und toll, dass es eine solche Einrichtung gibt, die gerätegestützt und sehr individuell arbeitet und zudem viele Sportwissenschaftler im Team hat“, so Lina Neumair. Seit 2019 arbeitet sie für den BRSNW als Talentscout – eine Stelle, die damals neu geschaffen wurde und mit der Nordrhein-Westfalen eine Vorreiterrolle einnimmt: Die 27-Jährige ist die erste hauptamtliche Talentscoutin für den Para Sport in Nordrhein-Westfalen. Sportler:innen, Familien, Schulen und Vereine beraten, talentierte Kinder und Jugendliche mit Behinderung  sichten, Menschen, die nach einem Unfall mit einem Handicap leben, (wieder) für den Sport begeistern – all das gehört zu den täglichen Aufgaben der Hattingerin. 

Vielfalt des Para Sports aufzeigen

„Mir ist es wichtig, den Para-Sport bekannter zu machen und die Vielfalt der Sportmöglichkeiten aufzuzeigen“, so Lina Neumair. Und zu denen zählen nicht allein Rollstuhlbasketball oder Paradressur – zwei Sportarten, die zu den bekannteren gehören. So können Parasportler:innen in NRW zum Beispiel im Para Tischtennis, Para Rudern, Para Badminton, Sitzvolleyball, Para Schwimmen oder in der Para Leichtathletik als Kaderathleten gefördert werden oder auch in einer Hobbygruppe ihre sportliche Heimat finden. Dafür betreibt Lina Neumair viel Aufklärungsarbeit, bringt Vereine und Sportler:innen zusammen und zeigt neue Wege auf: „Viele wissen gar nicht, welchen Sport sie mit Amputationen oder mit einem Querschnitt überhaupt machen können“, weiß die Sport- und Fitnesskauffrau, die nach ihrem Fachabi auch noch ein Bachelorstudium abgeschlossen hat. „Der Sport gibt vielen – gerade nach einem Unfall – neue Perspektiven.“ 

Erfolgreiche Sportlerinnen

So hat Lina Neumair zum Beispiel einem jungen Mädchen, das seit einem Autounfall querschnittsgelähmt ist und in der Leichtathletik aktiv werden wollte, dabei geholfen, den passenden Verein zu finden. Eine sehr erfolgreiche Athletin, die Lina Neumair begleitet, ist Gianna Regenbrecht. Die Medizinstudentin ist Para-Dressurreiterin im Bundesnachwuchskader, trainiert 

trainiert am Olympiastützpunkt DOKR in Warendorf, im Paralympischen Trainingszentrum (PTZ) in Frechen – und immer wieder auch im Ambulanticum. „So kam auch der Kontakt zum Therapiezentrum zustande“, erklärt Lina Neumair, die sich freut, ihr Netzwerk um das Ambulanticum erweitern zu können. „Hier findet man viele Therapiemöglichkeiten gebündelt an einem Ort und es kann sehr individuell gearbeitet werden.“ Weitere Informationen zu ihrer Arbeit, Schnuppertagen und -veranstaltungen für Interessierte gibt es unter: https://www.brsnw.de/leistungssport/talentscout/geschichten

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