Ambulanticum-Gründer veröffentlicht Mutmach-Biographie

Dr. Bernhard Krahl erzählt in „Schlagseite“ von seinem Weg in sein zweites Leben

Herdecke, 9. Mai 2022. Ambulanticum-Gründer und -Geschäftsführer Dr. Bernhard Krahl hat sein erstes Buch veröffentlicht. In seiner Autobiographie „Schlagseite“ erzählt der 75-Jährige aus seinem Leben – von seiner Kindheit und Jugend in Hagen über seine Schlaganfälle und den Weg zurück in einen selbstbestimmten Alltag bis hin zum 10. Geburtstag des Therapiezentrums Ambulanticum. Die Autobiographie kann ab sofort online bestellt werden. Auf der Website www.ambulanticum.de gibt es nicht nur weitere Informationen und Leseproben zum Buch, sondern auch ein Bestellformular.

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„Ich möchte zeigen, wie wichtig es ist, an sich zu glauben.“

Im Gespräch mit Dr. Krahl über seine Autobiographie „Schlagseite“

Die Entwicklung des Herdecker Therapiezentrums „Ambulanticum“ ist eng mit der Lebensgeschichte des Gründers verknüpft: In dem Buch „Schlagseite“ hat Dr. Bernhard Krahl seine Geschichte niedergeschrieben. Im Interview zu seiner Autobiographie erzählt der Zahnarzt und Ambulanticum-Geschäftsführer, wie er zum Autor wurde, welche Lebensstationen in seinem Buch nicht fehlen durften und was das Ambulanticum ihm bedeutet.

Wie ist die Idee entstanden, das eigene Leben als Buch niederzuschreiben?

Ideengeber waren Patienten, Bekannte und Freunde. Mit ihnen habe ich immer wieder gesprochen: über meinen Schlaganfall, meinen Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben, über das Ambulanticum. Ich habe ihnen von meinem Leben erzählt – aber immer ein wenig anders. Es waren andere Einblicke und Ausschnitte. Und irgendwann habe ich mir gedacht: Ich erzähle jetzt einfach mal alles. So reifte die Idee, meine Geschichte quasi in eine Endform zu gießen und zu verschriftlichen.

Wie lange haben Sie an dem Buch gearbeitet?

Von der ersten Idee bis zu dem Moment, in dem ich den roten Knopf zum Andruck drücken konnte, vergingen gut zwei Jahre.

Nach welchen Kriterien haben Sie die Erinnerungen und Lebensstationen ausgewählt, die den Weg in ihr Buch gefunden haben?

Ich bin in erster Linie chronologisch vorgegangen. Und natürlich waren die einschneidenden Begebenheiten meines Lebens „gesetzt“ – ob privat, gesundheitlich oder beruflich. Aber mir war es auch wichtig, kleine, zum Teil auch heitere Episoden hinzuzufügen, die – wie ich finde – meinen Charakter und meine Einstellung zum Leben authentisch transportieren.

Was war Ihnen bei der Erzählung Ihrer Lebensgeschichte besonders wichtig?

Es war mir wichtig, den Aufbau und die Entwicklung unserer einmaligen Therapieeinrichtung in meinem Buch aufzuzeigen. Das Ambulanticum ist aus meinem Leben nicht wegzudenken. Es hat mir selbst immer auch Kraft und Selbstvertrauen gegeben. Darum ist es ein elementarer Bestandteil meiner Autobiographie geworden.

Was möchten Sie bei den Leserinnen und Lesern Ihres Buches erreichen?

Ich möchte meine Leserinnen und Leser ermuntern, nie aufzugeben. Viele befinden sich vielleicht in ähnlichen Lebenssituationen. Oder stehen jemandem nahe, der mit einem Schicksalsschlag zu kämpfen hat und neu anfangen muss. Ich möchte diesen Menschen ein Beispiel geben und zeigen, wie wichtig es ist, an sich und seine eigene Zukunft zu glauben.

Hat sich der Blick auf Ihr Leben durch die Arbeit an der Autobiographie noch einmal verändert?

Der Schreibprozess war sicherlich auch ein Verarbeitungsprozess. Durch das Schreiben ist es mir gelungen, mit Lebensphasen abzuschließen, die ich noch nicht ganz „verdaut“ hatte. Dadurch ist der Rucksack meiner Lebensereignisse, den ich mit mir herumtrage, etwas leichter geworden. Dafür bin ich dankbar.

Durch die Arbeit an diesem Buch sind sie auf gewisse Weise noch einmal auf „Lebensreise“ gegangen. Wenn Sie heute auf Ihr Leben zurückblicken und es mit drei Worten beschreiben sollten: Welche wären das?

Zuversicht, Mut, Verlässlichkeit

Gibt es Textpassagen, die Ihnen besonders am Herzen liegen?

Ich lese das emotionale Kapitel „Abschied von Micki“ – meiner verstorbenen Frau – immer wieder gerne. Für mich ist es eine anrührende Erinnerung an das Ende einer Zweisamkeit in Würde.

Bleibt es bei diesem Buch oder bleiben Sie dem Schreiben treu?

Ich habe vor, weiterhin zu schreiben. Und dabei möchte ich auf zu neuen Ufern. Aktuell ist ein – thematisch ähnliches – Buch in Vorbereitung. In ihm möchte ich von den zauberhaften Erfolgen einiger unserer Patientinnen und Patienten erzählen. Eng verknüpft mit der Vorstellung und Erklärung zeitgemäßer robotikassistierter und gerätegestützter Therapiemaßnahmen. Es soll eine schriftliche Hilfestellung zum Verstehen komplexer Herausforderungen werden. Der Arbeitstitel steht schon:   Bewegende Erfolgsgeschichten,  Untertitel: Siehste – geht doch!

Weitere Informationen, Leseproben und das Bestellformular zum Buch gibt es hier.

„Ich wusste, ich werde wieder laufen.“

Rashide Serifi steht nach jahrelanger Therapie wieder auf eigenen Beinen

2012 sollte ein glückliches Jahr für Rashide Serifi werden: Die damals 21-Jährige war schwanger, freute sich gemeinsam mit ihrem Mann auf ihr erstes Kind. Doch die Geburt wurde für sie und ihre Familie zum lebensverändernden Wendepunkt: Eine Periduralanästhesie (PDA) mit einer verunreinigten Spritze löste eine katastrophale Kettenreaktion aus. Nach der Geburt ihres Sohnes bekam Rashide Serifi eine Hirnhautentzündung, Bakterien durchsetzten ihre Wirbelsäule mit Eiterherden. Durch mehrere Operation im Bereich der Wirbelsäule wurde das Rückenmark schwer geschädigt. Die junge Mutter war von einem Augenblick auf den anderen inkomplett querschnittgelähmt. Ihre Prognose: ein Leben im Rollstuhl.

Langer Leidensweg

Die Diagnose war ein Schock und der Beginn eines langen Leidensweges: Nach der Geburt lag Rashide Serifi zunächst vier Wochen auf der neurologischen Station. Ihr Zustand verschlechterte sich zunehmend. Kein Antibiotikum schlug an. Eine Not-OP wurde nötig. Sie wurde in die Uni-Klinik verlegt, ihr Leben hing an einem seidenen Faden. Doch Rashide überstand die Operation. So wie sechs weitere, die folgten. Sie war lange Zeit in Kliniken. Ihren kleinen Sohn sah sie so gut wie gar nicht. „Das war besonders schlimm“, erklärt die heute 30-Jährige, die sich nach den langen Klinikaufenthalten in einer Reha „an den Rollstuhl gewöhnen sollte“.  Ein Ziel, das für Rashide Serifi gar kein Ziel war. Sie wollte mehr. Sie wollte wieder laufen können. Für sich. Für ihren Sohn. Für ihre Familie. „Ein Leben im Rollstuhl war für mich keine Option“, sagt sie heute. „Ich wusste, wie schwer, lang und mühsam der Weg werden würde. Aber einen anderen gab es für mich nicht.“

Kleine Fortschritte für große Erfolge

Sie setzt alles daran, den Rollstuhl hinter sich zu lassen, wieder auf eigenen Beinen zu stehen und zu gehen. Mit unbändigem Willen und der Unterstützung ihrer Familie kämpft sie sich durch vier Jahre Rollstuhl und drei Jahre Therapie, die sie im Ambulanticum absolviert. Das Therapiezentrum in Herdecke war ein Glücksfall: „Nach negativen Erfahrungen in der Reha ging man endlich auf mich und meine Bedürfnisse ein“, sagt Rashide Serifi. „Das Ambulanticum bot genau das, was ich mir an Therapie vorgestellt habe.“ Im Mai 2013 kam sie zum ersten Mal ins Ambulanticum. Im Rollstuhl und mit schwacher Rumpfstabilität, aber mit einem großen Traum und hoher Einsatzbereitschaft. „Ich habe 100 Prozent gegeben – und bin manchmal nur 0,01 Prozent weitergekommen“, erzählt die Leverkuserin „Das war hart. Aber ich habe gelernt, dass auch kleine Fortschritte Erfolge sind und letztendlich zu großen Fortschritten werden.“

Zurück im Leben

Mit einem individuell auf sie abgestimmten Therapiekonzept trainierte Rashide Serifi ihre Muskulatur und ihr Gleichgewicht. Sie arbeitete im Spacecurl an ihrer Rumpfstabilität, übte mit verschiedenen Hilfsmitteln das Stehen. Am Lokomaten – einem Gangtrainer – ging sie unzählige Schritte. Immer und immer wieder.  Es folgten Trainingseinheiten auf dem Laufband, später die ersten freien Steh- und Gehversuche. Die Therapie brachte sie an ihre körperliche Leistungsgrenze. Es gab Tage, da fehlte die Kraft. „Natürlich waren da Momente, in denen ich nicht mehr wollte. Und nicht mehr konnte“, blickt Rashide Serifi zurück. „Aber das Team war immer für mich da und hat mich motiviert – auch wenn ich es ihnen sicher nicht immer leicht gemacht habe.“ Sie lächelt. Und sie strahlt, wenn sie von dem Leben erzählt, das sie heute führen kann: Zehn Jahre nach der Querschnittlähmung hat sie ihr Ziel erreicht – und noch viel mehr. Sie kann laufen, Autofahren, Sport machen. Und Rashide Serifi ist zum zweiten Mal Mutter geworden. Iljas ist heute drei Jahre alt und macht das Glück von Rashide Serifi, Ehemann Kenan und Bruder Mikail komplett. „Es war ein langer Weg“, sagt sie. „Aber für mich war immer klar: Ich werde wieder laufen.“

Neuer Ambulanticum-Film zum 10-jährigen Bestehen

Interdisziplinäres Therapiezentrum hilft Menschen zurück in ein selbstbestimmtes Leben

Herdecke, 10. März 2022Gesichter, die in die Kamera lächeln. Patienten beim Training. Wegbegleiter im Interview. Szenen aus Therapieräumen. Erinnerungen an Herausforderungen und Erfolge: Zum 10-jährigen. Bestehen des Ambulanticum Herdecke erzählt ein neuer Film die besondere Geschichte des ambulanten Therapiezentrums, das mit seinem interdisziplinären Konzept für viele Menschen mit Schlaganfällen, Querschnittlähmungen, Schädelhirntrauma, ICP oder Multipler Sklerose zu einem Ort der Hoffnung geworden ist.

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